the conversation

the conversation that never took place, vierkanal - video installation mit ton, 2013

intro

Mit der Vierkanal-Videoinstallation “The conversation that never took place“ (2013) stellt der Künstler eine Schnittstelle her, über die unterschiedliche Haltungen und Ungewissheiten von Molekularbiolog/innen zu wissenschaftlichen Grundfragen artikuliert werden. Mittels Videoschnitt kreiert der Künstler aus vier Einzelbefragungen im Studio ein ‘Setting’ mit vier Monitoren, wodurch die WissenschafterInnen über Themen, die sie nie gemeinsam erörtern würden, in ein scheinbar gemeinsames Gespräch treten. Die oberflächliche Harmlosigkeit trügt, denn die Forscherpersönlichkeiten werden als in geschichtliche Zusammenhänge verstrickt und somit als Individuen erfahrbar.

stills

Alle Aufnahmen stammen aus dem Atelier von Herwig Turk in Lissabon/Pt, 2013

fotos: © Herwig Turk

 

installation

oben links:
Quasikristalle oder die Harmonie der Täuschung, Ausstellungszentrum Heiligenkreuzerhof, Wien/A 2014
foto: © Gebhard Sengmüller
oben rechts:
The conversation that never took place, Wissenschafts Museum Coimbra/Pt 2014
foto: © Herwig Turk
bottom left and right:
The conversation that never took place, Wissenschafts Pavillion, Lisbon/Pt 2013
fotos: © Edmundo Diaz

videos

The conversation that never took place 2013

text

Herwig Turk : The conversation that never took place, 2013

 

Als ich 2003 mit Molekularbiologen zu arbeiten begann, wusste ich praktisch nichts über die Praxis in diesem Bereich, es kam mir vor, als ob ich die Tür zu den geheimen Räumen einer geschlossen Gesellschaft aufgemacht hätte. Erst in den folgenden Jahren wurde diese Umgebung verständlicher und lesbarer. Die Forscher/-innen stellten sich generell als sehr freundlich und teilweise als sehr interessiert an Austausch heraus. Natürlich war es notwendig, Konventionen zu finden, die eine ausgewogene und für beide Seiten produktive Kommunikation zuließen. Mit der Hilfe von Dr. Paulo Pereira wurden über die Jahre verschiedenste Formate und Versuchsanordnungen entwickelt, die eine Grenzüberschreitung ermöglichten und eine gewisse Durchlässigkeit zwischen der Kunst- und Wissenschafts-Praxis herstellten. Nach Arbeiten, die stärker der Untersuchung der Material Culture dienten, gelang es 2011, die Forscher/-innen stärker in den Focus zu bringen und sie in Experimenten und Interviewsituationen künstlerisch zu befragen.
Ausgehend davon, dass Wissenschaftler/-innen in Interviews meistens starken restriktiven Konventionen unterliegen und kaum Raum bekommen, sich als Persönlichkeiten zu präsentieren, habe ich 2011 ein Projekt begonnen, das im November 2013 als „The conversation that never took place“ erstmals gezeigt wurde.
Um die schwer verständliche Terminologie der Molekularbiologie zu neutralisieren und die Persönlichkeit der einzelnen Wissenschaftler/-innen zugänglich zu machen, wurde ein Format entwickelt, das ein Gespräch suggeriert, das von den vier Interviewten in einem Raum geführt wird. Diese Situation beruht aber auf einem speziellen Fragenkatalog und dem Schnitt von vier Einzelinterviews, die 2013 in Lissabon in einem Studio aufgenommen wurden.
Die vier ausgewählten Forscher/-innen waren allesamt vom Instituto do Medicina Molekular in Lissabon, sind in etwa gleich alt und arbeiten praktisch am selben Korridor. Im Studio erhielten die vier Wissenschaftler/-innen spezifische Information zu der geplanten Installation und wurden von Beatriz Cantinho und Herwig Turk befragt, um eine Gruppensituation zu evozieren. Wichtig war dabei, dass sich die Sprache eher an den allgemeinen und philosophischen Fragestellungen orientierte und an der Position des Gegenübers (Künstler/-innen).
Vier LCD Monitore, die vertikal auf Ständer montiert sind und die Interviewten im Größenverhältnis 1:1 abbilden, sind die Trägermedien der Installation, wobei ein Durchlauf 30 Minuten dauert und sich wiederholt. Die vertikale Aufnahme ermöglicht eine bessere Repräsentation der Körpersprache und der Intensität, mit der die Wissenschaftler/-innen ihre Positionen vertreten. Mit diesem Setting konnte eine Art der Unterhaltung editiert werden, die von diesen Forschern so niemals geführt werden würde. Sie ist vielschichtig und kann auf verschiednen Ebenen gelesen und verstanden werden und ist dadurch auch für Betrachter/-innen ohne Fachwissen von Interesse. Grundlegende Problemstellungen der Molekularbiologie und Life-Science werden dadurch diskutierbar und die persönlichen Motivationen der Forscher/-innen können leichter erkannt und bewertet werden.